Menü

Ansprechpartner

Schupp (3)
Andreas Schupp

Joh.-Sebastian-Bach-Weg 8
88284  Mochenwangen
Telefon: 075 02/91 16 29
Mobil: 01 71/766 82 56
Fax: 075 02/91 16 29
a.schupp@dmfv.aero
>>> zur Person

Stürmische Zeiten

Deutsche Meisterschaft Seglerschlepp 2011

24.11.2011 • Kategorie: Aktuelles

Bild_01

Die Faszination Seglerschlepp ist seit vielen Jahren ungebrochen. Bereits zum 38. Mal wurde 2011 die internationale Deutsche Meisterschaft im Seglerschlepp durchgeführt. Gastgeber war in diesem Jahr die Flugtechnische Gemeinschaft Borstel Hohenraden. Borstel Hohenraden befindet sich oberhalb von Hamburg und gehört somit zu den nördlichsten Veranstaltungsorten der internationalen Deutschen Meisterschaft im Seglerschlepp.

Aufgrund der großen Teilnehmerzahl bei der Deutschen Meisterschaft Seglerschlepp muss die Veranstaltung über mehrere Tage laufen. In diesem Jahr waren im Vorfeld 54 Teams angemeldet, also 108 Piloten. Die Deutsche Meisterschaft (DM) Seglerschlepp dürfte damit zu den größten Veranstaltungen dieser Art zählen. Bereits eine Woche vor Wettbewerbsbeginn war ein Großteil der Teilnehmer angereist, um die Gelegenheit zu nutzen, den Platz kennenzulernen. Leider machte das schlechte Wetter den Modellfliegern hier einen Strich durch die Rechnung. So konnten oft nur die Regenpausen genutzt werden, um ein paar Trainingsflüge bei hohen Windgeschwindigkeiten zu absolvieren. Bei der Anzahl der gemeldeten Teams wurde sehr schnell klar, dass die Trainingseinheiten diesmal sehr mager ausfallen würden.

Let’s go

Bereits am Mittwoch begann das offizielle Training. Jedem Team stand hier ein Flug unter Wettbewerbsbedingungen zu, wobei das Flugfeld bereits entsprechend präpariert war. Die Startreihenfolge für das Training wurde durch die Anmeldeliste festgelegt. Teams, die am Mittwoch später anreisten, wurden in der Trainingsreihenfolge entsprechend nach hinten verschoben. Eine absolut faire Angelegenheit, zumal sich so jeder noch einmal an die Platzgegebenheiten gewöhnen konnte. Wenn ein Team seinen Trainingsflug beendet hatte, erfolgte direkt die Auslosung der Startnummern für den Wettbewerb.

Damit das Gewichtslimit von 25 Kilogramm nicht überschritten wird, wurden die Modelle – ganz gleich ob Motormodell oder Segelflugzeug – entsprechend gewogen. Bei den Motormodellen muss darüber hinaus der Kraftstofftank vollständig gefüllt sein. Bei den großvolumigen Motoren durchaus eine gewichtige Komponente. Wie in den vergangenen Jahren, wurde die Gewichtsgrenze von allen teilnehmenden Modellen eingehalten.

Bekanntes

Bild_02Das Flugprogramm hatte sich zum Vorjahr nicht geändert und beginnt mit dem Rollen zum Startpunkt. Dort muss das Modell in einem Kreis zum Stillstand kommen. Der Segler wird eingehängt und das Programm beginnt mit dem gemeinsamen Start. Es folgt die Platzrunde, bestehend aus vier 90-Grad-Kurven und drei geraden Teilstücken. Nach der vierten Kurve schließt sich der Platzüberflug an, gefolgt vom Ausklinken des Seglers. Bis zu dieser Flugfigur sollten die Modelle stets gleichmäßig steigen und das Segelflugzeug muss mit konstanter Überhöhung der Schleppmaschine folgen. Nach dem Ausklinken muss das Segelflugmodell einen exakten Vollkreis fliegen. Das Modell darf dabei weder an Fahrt zunehmen, noch darf es steigen oder zu stark fallen. Eine Figur, die vor allem bei den stürmischen Bedingungen in Borstel Hohenraden sehr schwer exakt zu fliegen war.

Das Motormodell fängt nach dem Ausklinken sofort mit dem Seilabwurf an. Die Wertung dieser Figur beginnt bereits mit dem Gegenanflug und endet erst nach dem Querabflug. Sofort schließt sich die Landung an. Dabei geht der Anflug mit in die Bewertung ein. Mit dem Stillstand der Schleppmaschine endet diese Figur. Erst jetzt kann der Seglerpilot mit der Landung beginnen. Auch für ihn beginnt sie bereits mit dem Anflug. Vor allem die Flugzeit muss der Segler-Pilot genau im Auge behalten. Exakt 200 Sekunden gilt es zu fliegen. Erfahrene Piloten schaffen das fast punktgenau. Für Über- oder Unterschreitung der Flugzeit werden Punkte abgezogen. Die Landung endet für den Segler mit dem sauberen Aufsetzen im Landefeld und dem Ausrollen bis zum Stillstand des Modells. Die komplette Ausschreibung mit den zugehörigen Bewertungsgrundlagen findet man auf der Internetseite des Sportreferenten unter www.seglerschlepp.dmfv.aero

Drunter und drüber

Auch die Wettbewerbstage wurden von der schlechten Wetterlage nicht verschont. Alle drei Durchgänge waren durch absolut ruppige Windverhältnisse und hohe Windstärken geprägt. Ohne den Druck des Wettbewerbs hätten wohl die meisten Modellflieger ihre Modelle erst gar nicht ausgepackt. Dass der Wettbewerb bei Regen unterbrochen wurde, verschonte die Teilnehmer zumindest noch davor, nass zu werden. So wurde die Reihenfolge doch mehrfach kräftig durcheinander gemischt. Nachdem es in den besonders böigen Phasen immer wieder zu unfreiwilligem Notausklinken während des Schlepps kam, gab es einige Mannschaften, die angesichts der Verhältnisse gänzlich auf den Start in diesen Durchgängen verzichteten. Natürlich gab es morgens und gegen Abend auch Phasen mit etwas angenehmeren Windverhältnissen. Wem das Losglück eine Startnummer in diesem Zeitfenster zugeschanzt hatte, der fand Grund zur Freude.

Bild_03Dennoch konnten alle geplanten drei Durchgänge geflogen werden. Am Ende nahm das Team aus Markus Kellerer und Kilian Lang den DM-Titel im Seglerschlepp 2011 mit nach Hause. Mit sauberen Flügen auch bei ruppigen Verhältnissen ein mehr als verdienter Titelgewinn. Gefolgt wurden sie vom Team Hans Fischer/Thomas Fischer auf Platz zwei und Mark Zimmer/Claudia Zimmer auf Position drei.

Erfreulich sind die große Zahl jugendlicher Teilnehmer und deren durchweg hervorragenden Platzierungen im Teilnehmerfeld. Neun Piloten unter 18 Jahren gingen in Borstel-Hohenraden an den Start. Das ist schon ein beachtlicher Jugendanteil. Die jüngsten Teilnehmer waren Tim Bairle aus Bad Waldsee/Reute und Saskia Hofmann aus Wölfersheim. Über mangelnden Nachwuchs muss sich die Sparte Seglerschlepp also nicht sorgen. Unter allen jugendlichen Teilnehmern wurden wertvolle Sachpreise, gestiftet von Horizon Hobby, verlost. Bei der Jugendwertung in der Rubrik Segler erreichte Phillip Rannetshauser den ersten Platz, gefolgt von Georg Regele auf Platz zwei und Pascal Betz auf der Drei.

Equipment

Bei den eingesetzten Schleppmaschinen liegt der Schwerpunkt nach wie vor bei den bewährten Typen PZL Wilga, Yak 112 und Piper sowie Sinfony. Dennoch wurden erfreulich viele Eigenkonstruktionen zum Einsatz gebracht. Spannweiten von 3.200 bis 3.700 Millimeter haben sich etabliert. Der bevorzugte Maßstab bei den Motormodellen ist nach wie vor 1:3 bis 1:3,5. Größere Schleppmaschinen bilden weiterhin die Ausnahme. Bei den Segelflugmodellen ist die Vielfalt ungleich größer. Es kamen Modelle mit Spannweiten von 2.700 Millimeter bis zu deutlich über 8.000 Millimeter zum Einsatz.

Bei den Fernsteuersystemen hat die 2,4-Gigahertz-Technik die 35-Megahertz-Fernsteuerungen fast völlig verdrängt. Nur vereinzelt wurde noch auf das alte Frequenzband zurückgegriffen. So war es selbstverständlich, dass die Frequenzüberwachung mit Senderzelt überflüssig geworden ist. Eine nicht zu unterschätzende Arbeitserleichterung für den ausrichtenden Verein. Vergleicht man das mit den Verhältnissen im Jahr 2010, so ist es schon erstaunlich, wie schnell diese Umstellung erfolgt ist.

Bild_04Zum Einsatz kamen vor allem Systeme aus dem Hause Weatronic, Multiplex und Futaba. Interessant ist auch die Entwicklung auf der Stromversorgungsseite. NiCd- und NiMH-Akkus sind hier fast ausgestorben. Der Großteil der Teilnehmer setzt bei der Stromversorgung der Empfangsanlage auf LiPo- und LiFe-Varianten, wobei die LiFe-Zellen aufgrund ihrer Robustheit auch hier auf dem Vormarsch sind. Bei den Motoren kommt bewährtes Material zum Einsatz. Nach wie vor dominiert der Zweizylinder-Boxermotor mit einem Hubraum zwischen 100 und 140 Kubikzentimeter das Feld. Die Vielfalt der Motoren hat jedoch deutlich zugenommen. Einzig die Marke King scheint bei den Motorfliegern besonders beliebt zu sein. Ganze 15 Modelle waren mit einem Antrieb aus dieser Motorschmiede ausgerüstet.

Der Elektroantrieb hat sich beim Seglerschlepp zwar schon gezeigt, dennoch ist der große Durchbruch hier noch nicht gelungen. Im Alltagsbetrieb gehören die Schleppmaschinen sicher zu den Modellen mit der größten Anzahl an Starts pro Tag. Dass sie dabei auch noch das Gewicht eines Seglers mit auf Höhe bringen müssen, ist sicher der Grund dafür, dass der Elektroantrieb diese wohl fast letzte Bastion des Verbrenners noch nicht erobert hat. Dennoch setzten in diesem Jahr zwei Mannschaften auf diese Art des Antriebs. So hatte das Team Schambeck/Thanner wie bereits im letzten Jahr eine Morane mit Elektromotor ausgerüstet. Mit kraftvollen Schleppflügen demonstrierten die Piloten, dass hier noch viel zu erwarten ist. In der Gesamtwertung belegten sie einen beachtlich zwölften Platz. Auch die Mannschaft Rannetshauser/Rannetshauser war mit Elektropower am Start. Mit der eleganten Viper SD4 als Schleppmaschine zeigte auch sie beeindruckende Flüge.

Allgemeines

2009 wurde erstmals der Einsatz von elektronischen Steuerhilfen für den Wettbewerb untersagt. Von den Teilnehmern wurde diese Regeländerung durchweg als positiv eingestuft. Die große Teilnehmerzahl zeigt, dass dies ein Weg in die richtige Richtung war. Stichprobenartig soll der Kreiseleinsatz durch das Schiedsgericht kontrolliert werden. Da es bei Empfangssystemen wie Weatronic integrierte Kreisel gibt, ist es unabdingbar, bei diesen Systemen die Software entsprechend auszulesen. Nicht unerwähnt bleiben soll aber der Hinweis, dass bei unerlaubtem Kreiseleinsatz eine Disqualifizierung mit mehrjähriger Teilnahmesperre droht. Nach Auskunft des Sportreferenten Andreas Schupp sind für 2012 keine Regeländerungen zu erwarten. Das Training für die nächste DM in 2012 kann also schon beginnen.

Bild_05Die internationale Deutsche Meisterschaft des DMFV im Seglerschlepp war auch in Borstel Hohenraden eine hervorragende Werbung für diese Sportart und den Modellflug allgemein. Besonders das Zuschauerinteresse über die letzten Jahre hinweg spiegelt das wider. 2012 findet die DM Seglerschlepp beim VMC-Vreden an der Grenze zu den Niederlanden statt. Bekannt für seine Gastfreundschaft und das großzügige Fluggelände, wird es sicher auch in Vreden wieder eine interessante und spannende DM mit vielen Teilnehmern geben.
Martin Hofmann